Ichenheim beging Volksrauertag auf neue Art

(df) Eingebunden in einem ökumenischen Gottesdienst fand am Sonntag die alljährliche Gedenkfeier in der Aussegnungshalle statt, zu der Ortsvorsteher-Stellvertreter Hans-Jörg Hosch begrüßte. Musikkapelle und Männergesangverein umrahmten den Gottesdienst, den Pfarrerin Anna Schimmel und Pfarrer Emmerich Sumser in eindrucksvoller Form hielten. Man habe der Feier zu mindestens versuchsweise eine neue Form gegeben, und hoffe damit, dass auch konfessionell nicht gebundene Menschen, das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in dieser Form mit uns teilen können. 2108 ist insofern ein besonderes Jahr,jährte sich doch vor wenigen Tagen der Waffenstillstand am 11. November dem formalen Ende des ersten Weltkrieges zum 100. mal. Der große Krieg, wie er in Frankreich meist genannt wird, liegt soweit zurück, dass niemand mehr aus persönlicher Erfahrung aus dieser Zeit berichten kann. Allein der Blick in die Statistik zeigt wie schrecklich dieser Krieg auch für unser Dorf war. Fast alle Ichenheimer, die nicht mehr aus diesem Krieg zurückkamen, waren erst um die 20 Jahre alt, der jüngste erst 18. Eine ganze Generation junger Männer wurde in sinnlosen Schlachten geopfert, ja wirklich verheizt. Dies Alles führte nicht dazu einen neuen noch schrecklicheren Krieg zu verhindern. Es wurde die sogenannte Dolchstoßlegende gestrickt und damit der Keim des Hasses gesät, die wenige Jahre später aufging und geradewegs in den zweiten Weltkrieg führte. Dieser forderte noch viel mehr Leben auch in Ichenheim. Die in der Aussegnungshalle angebrachten Tafeln erinnern daran. Aus heutiger Sicht waren diese Opfer und das viele Leid unsinnig, denn in beiden Weltkriegen ging es um fragwürdige Zielsetzungen. Die Erfahrungen dieser Kriege bewirkten aber doch ein Umdenken, so dass schon wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg die Idee einer Vereinigung Europas konkret wurde und allgemeine Unterstützung fand. Wenn heute ein Deutscher Politiker die 12 Jahre der nationalsozialistische Gewaltherrschaft mit den schrecklichen Folgen des zweiten Weltkriegs und der Vernichtung der Juden als lästiges Detail mit dem Wort „Vogelschiss“ bezeichnet, ist das schon eine sehr bedenkliche Geschichts-Vegessenheit. So werden ein übersteigerter Nationalismus und oft auch der Hass wieder normal. Gedacht werde daher am Volkstrauertag nicht nur der Opfer frührerer Kriege sondern auch dem Leid auf den Kriegsschauplätzen unserer Tage: „Wir hoffen auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern“ so Hans-Jörg Hosch. Nach Predigt, Gebeten und dem Segen ging es zum von Mitgliedern des VdK Ortsvereins geschmückten Ehrenmal,wo Ortsvorsteherstellvertreter Hans-Jörg Hosch begleitet von Fahnenträger einen Blumengebinde niederlegte.

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