Zeitzeugenbericht von Hans Weide

Neuried-Altenheim (df) Im Heimatmuseum Neuried stellte Ottenheims ehemaliger Ortsvorsteher Hans Weide seinen Roman "Rote Sonne, dunkle Nacht", in dem er als Zeitzeuge vor über 40 Jahren den damaligen Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl beschreibt. Die Vorsitzende des historischen Vereins Neuried Michaela Karl freute sich , dass Hans Weide sich Zeit genommen hat über die neuere Zeitgeschichte zu berichten, in der neue Ideen aufkamen und man nicht mehr so obrigkeitshörig war und sich nicht mehr alles gefallen ließ .
Hans Weide ist Ottenheimer mit Migritationshindergund; er kam vor 50 Jahren aus dem Hessischen ins Badische. Als Hergloffner wurde er gleich in den damaligen Gemeinderat gewählt und später wurde Ortsvorsteher, konnte den Zuhörern als Zeitzeuge viele Details zu den Ereignissen über den Widerstand gegen das Atomkraftwerk vor 40 Jahren in Wyhl am Kaiserstuhl vermitteln. Der Inhalt seines mit Dokumenten belegten Vortrags war für die Beteiligten zum größten Teil neu, denn sein Hintergrundwissen über die Vorgeschichte und vor allen Dingen über Einzelschicksale im Zusammenhang mit Befürwortern und Gegnern des Projektes deckte viele wenig bekannte Geschichten auf. Dazu gehörte auch die Planung der Landesregierung in den 70er Jahren, das Oberrheintal zu einem riesigen Industriezentrum umzugestalten und die Bewohner in die Vorbergzone umzusiedeln, wie auch eine Karte mit den bereits geplanten Atomkraftwerken, die sich wie eine Perlenkette rechts und links des Rheins entlang zog. Wyhl war dabei nur eines unter vielen. Fast unglaublich für die Zuhörer, dass das Scheitern von Wyhl eine wesentlicher Grund dafür war, dass man schließlich diese Planung aufgab. So war es auch verständlich, dass man am Kaiserstuhl mit harten Bandagen kämpfte. Dazu schilderte Weide, wie man mit Unterstützung der Landesregierung zunächst für das Projekt mit vielen Versprechungen warb und die Gegner zum Teil verunglimpfte. Der damalige Ministerpräsident Hans Filbinger prophezeite nicht nur, dass ohne das Atomkraftwerk in Wyhl in den 80er Jahren in Baden-Württemberg die Lichter ausgehen würden, sondern bezeichnete die Gegner als linke Chaoten und Kommunisten. Dazu kamen viele Schikanen wie Stromabschaltung bei einem Länderspiel oder Unterbrechen der Telefonleitungen. Hinzu kamen neben Beschimpfungen auch Gewaltmaßnahmen gegen die Gegner.

Nachdem alle Verhandlungen nichts nützten und mit den Bauarbeiten dennoch begonnen wurde, besetzten etwa 300 Kaiserstühler das Bauplatzgelände. Dieses wurde im Rahmen eines massiven Polizeieinsatz wieder geräumt. Weide schilderte mit vielen Beispielen, dass die Kaiserstühler dennoch nicht aufgaben und nach einem generalstabsmäßig ausgearbeiteten Plan den Bauplatz wieder zurück eroberten, wobei es zu harten Auseinandersetzungen und Verletzten auf beiden Seiten kam.

Er habe dann den Auftrag erhalten, Kräfte der Bereitschaftspolizei für die zweite Platzräumung zu führen, was er jedoch ablehnte. Gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer der evangelischen Gemeinde Weisweil und mit Hilfe des Landesbischofs von Baden Dr. Heidland sei es dann gelungen, den Ministerpräsidenten zu einer Verschiebung des Einsatzes zu überreden. Dieser fand jedoch auch anschließend nicht mehr statt, und der Platz blieb lange Zeit im Besitz der Kaiserstühler. Nach vielen Verhandlungen zwischen den Kaiserstühlern und der Landesregierung wurde das Projekt schließlich aufgegeben.

Weide hat inzwischen über die damaligen Ereignisse einen authentischen Roman mit dem Titel "Rote Sonne, dunkle Nacht" geschrieben, der sich insbesondere mit den Auseinandersetzungen zwischen den Gegnern und Befürwortern des Projektes befasst. Vorgesehen war deshalb eine Bücherlesung im zweiten Teil der Veranstaltung. Zu der kam es aber nicht mehr, weil er viel Zeit zur Beantwortung der vielen Fragen benötigte. Michaela Karl bedankte sich bei Hans Weide für seine interessanten Ausführungen und bei den zahlreichen Besuchern fürs Kommen und wünschte allen eine gesegnete und friedliche Advents- und Weihnachtszeit.

Michaela Karl und Hans Weide

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